Das kleine Buchlexikon: Fachbegriffe im Antiquariat
Willkommen in unserem Buchlexikon. Hier finden Sie die wichtigsten Fachbegriffe aus der Welt der alten Bücher und des Antiquariatshandels einfach und präzise erklärt – von A wie „Alte Drucke“ bis W wie „Werkausgabe“.
A
- Alte Drucke Bezeichnen Druckerzeugnisse, die zwischen 1500 und 1700 entstanden sind. Im Bibliothekswesen wird der Begriff oft auf Werke ausgedehnt, die bis 1800 entstanden sind.
- Antiqua Die heute gängige Druckschrift mit runden Bögen. Ihre Beliebtheit nahm in Deutschland im Laufe des 19. Jahrhunderts zu, bis sie schließlich die gebrochene Schrift als meistgenutzte Druckschrift ablöste.
- Apart Bedeutet „einzeln“ oder „gesondert“. Der Begriff wird in Artikelbeschreibungen verwendet, wenn einzelne Bände mehrbändiger Werke separat verkauft werden. Beispiel: „Band 1 apart, mehr nicht erschienen“ bedeutet, dass nur der erste Band einer geplanten Reihe existiert bzw. angeboten wird.
- Autograph Die eigenhändige Niederschrift einer Person (vom Brief bis zur Rechnung). Besonders wertvoll sind Autographen mit Signatur. Sie gelten seit dem 16. Jahrhundert als beliebte Sammelobjekte.
B
- Bestandteile des Buches Ein Buch setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen: Buchblock, Buchdeckel, Buchrücken, fliegendes Blatt, Kapital, Schmutztitel, Spiegel, Titelblatt, Titelei und Vorsatz.
- Blindprägung Auch Blindpressung oder Blinddruck genannt. Eine farblose Verzierung des Einbands, bei der Muster mit Stempeln direkt in das Material geprägt werden.
- Broschur Druckerzeugnisse mit einem flexiblen Umschlag, der direkt an den Buchblock angeklebt ist. Ursprünglich oft als „Interimseinband“ (vorläufiger Einband) gedacht, damit Käufer das Buch später individuell binden lassen konnten.
- Buchblock Die Gesamtheit der für das Binden zusammengefügten, beschnittenen oder unbeschnittenen Lagen eines Buches (ohne Einband).
- Buchdeckel Die vordere und hintere Seite des Einbands, die den Buchblock schützen.
- Buchformate Ursprünglich bestimmt durch die Anzahl der Seiten, die aus einem Bogen Papier entstanden. Heute richtet sich das Format nach der Länge des Buchdeckels:
- 2° (Folio): Größer als 40 cm
- 4° (Quart): 25 bis 40 cm
- gr. 8° (Groß-Oktav): 22,5 bis 25 cm
- 8° (Oktav): 18,5 bis 22,5 cm
- kl. 8° (Klein-Oktav): 15 bis 18,5 cm
- 12° (Duodez): 10 bis 15 cm
- 16° (Sedez): Kleiner als 10 cm
- Buchrücken Die schmale Seite des Buches, an der die Lagen zusammengehalten werden und die im Regal sichtbar ist.
- Bünde Erhebungen am Buchrücken, die durch die Schnüre der Fadenbindung entstehen.
- Falsche Bünde: Pappstreifen unter dem Rückenbezug, die Bünde bei Büchern ohne echte Schnurbindung (z.B. Klebebindung) nur vortäuschen.
D
- Duodez Ein Buchformat (10 bis 15 cm Höhe). Siehe auch: Buchformate.
- Dünndruckpapier Sehr dünne, holzfreie Papierart für umfangreiche Werke. Da es oft für Bibeln genutzt wird, nennt man es auch „Bibelpapier“.
- Durchgeschossenes Exemplar Ein Buch, bei dem zwischen die bedruckten Seiten jeweils ein unbedrucktes Blatt gebunden wurde, um Raum für handschriftliche Notizen zu bieten.
E
- Englische Broschur Eine Broschur mit einem unbedruckten Kartonumschlag, der von einem bedruckten Schutzumschlag mit eingefalzten Klappen umgeben ist. Der Schutzumschlag ist meist am Rücken angeklebt.
- Exlibris Lateinisch für „aus den Büchern (von)“. Ein oft künstlerisch gestalteter Zettel, der in das Buch eingeklebt wird, um den Besitzer zu kennzeichnen. Berühmte Vorbesitzer können den Wert steigern.
F
- Faksimile Eine originalgetreue Nachbildung eines Werkes, die dem Original in Größe, Ausstattung und oft sogar im Erhaltungszustand entspricht.
- Farbfraß Beschädigungen am Papier oder Einband, die durch chemische Reaktionen alter grüner Farben (mit Kupferacetat) verursacht wurden.
- Folio Großes Buchformat über 40 cm. Siehe auch: Buchformate.
- Fraktur Eine gebrochene Schriftart, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland Standard war.
- Französische Broschur Broschur mit bedrucktem Kartonumschlag und nach innen eingeschlagenen Klappen (vorn und hinten).
- Frontispiz Eine meist ganzseitige Abbildung gegenüber dem Titelblatt (oft Porträts oder Szenen aus dem Buch).
H
- Hardcover Sammelbegriff für Bücher mit festem Einband (Pappe, Leinen, Leder), im Gegensatz zur flexiblen Broschur.
K
- Konvolut Eine Gruppe von mehreren Büchern oder Schriften, die nur zusammen zu einem Gesamtpreis angeboten werden.
L
- Läsur Die fachsprachliche Bezeichnung für eine kleine Beschädigung oder Verletzung an einem Buch.
M
- Marginalien Randbemerkungen im Buch. Man unterscheidet zwischen gedruckten Marginalien (Erläuterungen des Verlags) und handschriftlichen. Letztere mindern meist den Wert, außer sie stammen von berühmten Persönlichkeiten.
N
- Monographie Eine Einzelschrift, die sich intensiv mit nur einem bestimmten Thema auseinandersetzt.
- Nachdruck (Reprint) Eine im Text unveränderte Neuausgabe eines Buches. Im Gegensatz zum Faksimile muss hier nur der Text, nicht aber die äußere Ausstattung dem Original entsprechen.
O
- Oktav Das gängigste Buchformat (18,5 bis 22,5 cm). Siehe auch: Buchformate.
P
- Paginierung Die Nummerierung der Seiten eines Werkes. Fehlt diese, spricht man von einem „unpaginierten“ Exemplar.
Q
- Quart Ein Buchformat zwischen 25 und 40 cm. Siehe auch: Buchformate.
S
- Scharteke Bezeichnung für ein altes, meist stark beschädigtes Buch ohne nennenswerten händlerischen Wert.
- Schutzumschlag Ein loser Papierumschlag zum Schutz des Einbands. Heute oft aufwendig gestaltet; bei seltenen Titeln kann ein gut erhaltener Umschlag den Wert massiv steigern.
- Schweizer Broschur Eine besondere Broschurform, bei der der Buchblock am Rücken mit Leinen verklebt, aber nicht fest mit dem Umschlagrücken verbunden ist. Die Bindung erfolgt nur schmal auf der dritten Umschlagseite.
- Sedez Kleinstes Buchformat unter 10 cm. Siehe auch: Buchformate.
- Signatur Die eigenhändige Unterschrift des Verfassers im Buch, was in der Regel den Wert steigert.
- Stammbuch Der Vorläufer des heutigen Poesiealbums, besonders beliebt bei Studenten zwischen der Reformationszeit und dem frühen 19. Jahrhundert.
- Sütterlin Eine 1911 entwickelte altdeutsche Handschrift (Kurrent) für Schreibanfänger, die oft in alten Kinderbüchern zu finden ist.
T
- Tafel Abbildungen, die auf speziellem Papier gedruckt und nicht in die normale Seitenzählung (Paginierung) eingeschlossen sind.
- Tektur Nachträgliche Berichtigung eines Fehlers, entweder durch einen aufgeklebten Deckstreifen oder ein beiliegendes Korrekturblatt.
V
- Vakatseite Eine absichtlich leer gelassene Seite innerhalb eines Buches.
- Vignette Kleine ornamentale Schmuckzeichnung, meist auf dem Titel oder an Kapitelanfängen/-enden.
W
- Werkausgabe Mehrbändige Ausgabe der Werke eines Autors. Eine Gesamtausgabe umfasst dabei das komplette schriftstellerische Schaffen.
